Pulsationen

PULSATIONEN war 2015 mein erstes Kunstprojekt und ist in der Zusammenarbeit mit der Wissenschafterin und Petrologin, die die Lichtinstallation entwickelt, hat, als einmaliges Event hervorgegangen. pulsationen war ein mehrschichtiger, künstlerischer Reflexionsprozess im Spannungsfeld Wissenschaft, Installation, Musik, Fotografie und Video.

Die vorgestellten Bilder wurden in höchst ästhetischer und professioneller Weise auf von hinten beleuchtetem Acrylglas präsentiert (Format 70 x 50 cm). 

Sie entstehen ursprünglich aus einer Lichtinstallation, die Licht mittels Interferenzerscheinungen im linear polarisierten Strahlengang eines adaptierten Diaprojektors thematisiert. Jener kommt mitsamt seiner Projektion als Installationsobjekt zur Geltung.

Der Projektor, der mit einem Polarisationsrad versehen ist, erzeugt ständig verändernde und ineinander übergehende Interferenzmuster in verschiedenen Farb- und Helligkeitsstufen. 

Durch digitale Fotografie werden ausgewählte Motive und Einstellungen festgehalten. 

Am Dia selbst arbeiten wir unter anderem mit Phyllosilikat, deformiertem Plastik oder Überlagerungen durch analoge Fotos. 

Sowohl ältere Arbeitsweisen des Schaffens als auch technische Neuerungen (Digitalfotografie, Bearbeitungsprogramme, Druckverfahren) sollen kritisch auf ihre künstlerische Ästhetik untersucht werden.

Ein Video zeigt die Interferenzmuster der Lichtinstallation motivisch geordnet. Jedes Setting ist in Ton gesetzt. Die Komposition oszilliert im Raum.

Live wird die Lichtinstallation von der Musikerin Christina Lag-Schröckenstein bespielt. Die Musik erklingt in Reaktion und in kommunikativer Weise auf diese sich ständig verändernden Farbmuster. Die Musikerin hat keine Vorgaben, die Musik entsteht spontan und improvisiert zu den entstehenden Farben und Mustern..

Analoge und digitale Arbeitsmittel verschränken sich zu einem erlebnisoffenen Dialog. Projektion und Video treffen auf Raum, Musik trifft auf Bild, Wissenschaft auf Kunst.

Projekt aus künstlerischer Perspektive

Unsere Absicht ist, ein spezielles Konzept zu präsentieren, welches Wissenschaft (Lichtoptik und Petrologie), Fotografie, Musik und Rauminstallation miteinander in Beziehung setzen soll.

Bereits existierendes visuelles Material wird bearbeitet – also remixed – wodurch ein Spiel mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unter künstlerischem Aspekt stattfindet. Die Frage stellt sich, welche Kombinationen von modernen und neueren Techniken und Hilfsmitteln zu einem künstlerisch befriedigenden Ergebnis führt. Sowohl ältere Arbeitsweisen des Schaffens, als auch technische Neuerungen (Digitalfotografie, Bearbeitungsprogramme, Druckverfahren) sollen kritisch auf ihre künstlerische Ästhetik untersucht werden. Wie weit kann nachträgliche Bearbeitung am Computer unter ästhetischem Aspekt gehen? Wird dadurch etwas „verschönert“, unsichtbar gemacht, oder soll der Entstehungsprozess im Bild sichtbar erhalten bleiben, also Teil des Bildes sein? Der Weg zum Ziel beinhaltet einerseits stetiges Experimentieren, Deformieren und Anordnen verschiedenster Plastikfolien am Dia selbst, als auch die anschließende Bilderfindung am Computer. Bearbeitung bzw. Experimente am Foto wie z.B. Ausarbeitungen in Schwarz-Weiß oder Überlagerungen mit anderen Fotos spielen dabei eine wichtige Rolle.

Neuere und ältere Methoden des kreativen Schaffens werden miteinander wiederum durch aktuelle Musikströmungen (Electronics) und analoge Instrumente wie Gitarre und Kontrabass miteinander in Beziehung gesetzt und in Frage gestellt. Somit kann die Musik abschließend einen wichtigen Beitrag zur ästhetischen Verschränkung zwischen diesen „remixten“ Methoden leisten. Kann sie von Publikum bzw. von der Gesellschaft als solch bindendes Glied wahrgenommen und erfasst werden?

Projekt aus wissenschaftlicher Perspektive

Licht ist ambig: es kann sowohl als Teilchen als auch als Welle betrachtet werden. Wird Licht als Welle betrachtet, so schwingt „normales“ Licht in allen Ebenen senkrecht zu seiner Fortpflanzungsrichtung. Wird es durch ein optisches Gitter geschickt, kann es nur noch in einer Ebene schwingen. So ein Licht heißt linear polarisiert. 

Bei dieser lichtästhetischen Methode besteht das Gitter, auch Polarisator genannt, aus einer mit orientierten langkettigen Kohlenwasserstoffmolekülen beschichteten Folie. Sie ersetzt das der Lichtquelle zugewandte Glas im Diarahmen. Anstelle eines Fotodias enthält der Diarahmen farblose, durchsichtige Plastikfolie. Diese ist doppelbrechend. Doppelbrechende Medien spalten Lichtstrahlen in ihrem Inneren in einen ordentlichen und einen außerordentlichen Strahl. Beide Strahlen bewegen sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten durch das doppelbrechende Medium und sind senkrecht zueinander polarisiert, d.h. die Schwingungsebenen der beiden Komponenten stehen senkrecht aufeinander. 

Treten die beiden Strahlen am Ende der Folie in Luft über, behalten sie ihre Polarisierungen bei. Zudem sind ihre Phasen durch die unterschiedlichen Fortpflanzungsgeschwindigkeiten in der doppelbrechenden Folie nun verschoben, die beiden Wellen haben einen Gangunterschied, sie schwingen also nicht mehr gleichzeitig „im Takt“; sie sind nicht mehr „in Phase“. 

Werden aus diesen beiden Lichtstrahlen durch eine zweite Polarisationsfolie (Analysator genannt) jene Anteile mit paralleler Schwingungsrichtung herausgefiltert, überlagern sich die beiden Schwingungen, d.h. es interferieren diese beiden Anteile miteinander. Es entstehen Interferenzfarben. Je nachdem, wie groß der Gangunterschied / die Phasenverschiebung von ordentlichen und außerordentlichen Strahl und wie stark die gefilterten Anteile sind, ergeben sich unterschiedliche Farben und Intensitäten. 

Da bei dieser lichtästhetischen Methode der Analysator rotiert, wird die Richtung des Analysators permanent verändert, wodurch sich kontinuierlich verändernde Farb-und Helligkeitseindrücke ergeben. Die Gestaltung des jeweiligen Bildes erfolgt nur durch die Verwendung verschiedener doppelbrechender Materialien (in diesem Fall farblose Plastikfolie), durch unterschiedliche Stapelung der Plastikfolien-Schichten, durch physikalische (z.B. Zerren, Prägen, Ritzen) und chemische Behandlung (z.B. Ätzen) sowie durch Tempern. Die Farben entstehen auf rein physikalischem Weg während der 

Projektion.